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Michael Kohlhaas in TempelbergInsidern ist seit langem bekannt, dass Kleists Novelle auf einen historischen Hans Kohlhase zurückgeht, der im 16. Jahrhundert in Tempelberg geboren wurde, einem Dorf im heutigen Landkreis Oder-Spree. Man geht davon aus, dass Heinrich von Kleist über all diese Begebenheiten zunächst von Ernst von Pfuel erfuhr, und die schriftliche Quelle für all dies ist ein Buch, das den Stoff der späteren Kleist’schen Erzählung in vielen wesentlichen Teilen schon bringt: Petrus Hafftitz, „Nachricht von Hans Kohlhasen, einem Befehder derer Chur-Sächsischen Lande“ von 1731.
In seiner Novelle „Michael Kohlhaas“ zeichnet Heinrich von Kleist das Leben eines rechtschaffenen Mannes nach, der im Kampf für Wiedergutmachung und für die Prinzipien der Gerechtigkeit alles riskiert – und schliesslich selber zu einem der entsetzlichsten Missetäter seiner Zeit wird. Aus diesem Spannungsfeld speist sich die Dramaturgie der Erzählung; nachdem ihm Unrecht widerfahren ist, das von der Staatsmacht nicht geahndet wird, legt sich Kohlhaas mit dem Staat an. Er versucht mit Gewalt sich sein Recht zu verschaffen, und bricht dabei selber Recht und Gesetz. Schliesslich wird ihm dann doch noch Genüge getan, aber er muss sich selbst auch dem Richter stellen. Am Ende lässt er sich ruhig zum Schafott führen, denn so wie er Gerechtigkeit für sich verlangt hat, lässt er zu, dass sie an ihm vollzogen wird. Der Projektleiter und Dramaturg Benno Plassmann erarbeitet gemeinsam mit der Regisseurin Ursula Berzborn von Grotest Maru eine neue Herangehensweise an den Kleist’schen Text, der in einer ersten Version von Grotest Maru (in Zusammenarbeit mit dem Theater des Lachens) im Sommer 2009 uraufgeführt werden wird. Danach wird dieser professionell-künstlerische Kern durch inhaltliche und darstellerische Mitarbeit von Leuten aus Tempelberg und Umgebung für die Kleist Festtage im Oktober 2009 erweitert. Unter Einbeziehung der Landschaft und ausgewählter Räumlichkeiten von Tempelberg – dort wo der historische Hans Kohlhaase vor fast 500 Jahren für sein Recht gekämpft hat – wird so eine neue und faszinierende Inszenierung entstehen. Projektpartner Gefördert mit Mitteln von Kulturland Brandenburg
Mit freundlicher Unterstützung von Denkt Gott die Menschen?Die Fundamente der gegenwärtigen Kulturen zeigen Risse. Das Wasser wird knapp, die Götter geraten in Aufruhr, Hindus verbrennen Moslems, Moslems massakrieren Christen, Christen foltern Sunniten, Sunniten bomben Schiiten, Jahwe prügelt Allah, Allah die Ungläubigen. Evangelikale befehden Liberale, Kreationisten Darwinisten, christliche Partei- en schreiben Leitkulturen in ihre Grundsatzprogramme und schwören Europa sei christlich, während Araber die Rückkehr Andalusiens ins Reich der Gläubigen fordern. Selbst Philosophen und Naturwissenschaftler werden von Unruhe erfasst. Habermas sucht mit dem Papst nach dem gemeinsamen Urgrund von Christentum und Philosophie, sein Kollege Paolo Flores D`Arcais widerspricht ihm heftig. Der Biologe Richard Dawkins publiziert gegen die Existenz Gottes und verheddert sich in der buddhistischen Dalektik von Sein und Nichtsein. Schon immer waren Kulturen, die diese aufrecht gehende Spezies Mensch hervorgebracht hat, auf engste mit Göttern verbunden. Und wo immer Kulturen untergingen, zogen sie ihre Götter mit in den Abgrund (oder umgekehrt?). Und wo immer neue Kulturen aufstiegen, stiegen neue Götter mit. Für alle Aufgeklärten, Rationalisten und Nihilisten ein Ärgernis. Mit einem Satz: In den Tempeln zerreißen die Vorhänge und an den Wän- den erscheint die Schrift: Denkt Gott die Menschen? Denken die Menschen Gott? Unter diesem Motto arbeitet der Verein an Formen eines öffentlichen Diskurses mit Christen, Muslimen, Hindus, Buddhisten, Philosophen und Naturwissenschaftlern. |